Amazon Rezensionen

Schon seit ein paar Jahren zieht Amazon die Zügel im Kampf gegen die Flut an Fake- Rezensionen auf seinem Marktplatz an. Nun geraten offenbar größere Händler in den Fokus. Nachdem schon die chinesischen Hersteller Ravpower, Mpow und Aukey von Amazon gesperrt wurden, hat es nun offenbar den Hersteller von kabellosen Ladegeräten Choetech erwischt.

Geschenkgutscheine für positive Rezensionen

Erst vor kurzem hatte ein Artikel auf dem Fachportal golem.de für Aufsehen gesorgt, in dem von der Verbannung von Ravpower vom Amazon- Marktplatz berichtet wurde – kurz nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen seinen Bestellungen offenbar Kärtchen beigefügt wurden, auf denen angeboten wurde, eine positive Rezension mit einem Geschenkgutschein in Höhe von 35 Euro zu belohnen.

Auch wenn Amazon sich zu den Gründen für die Verbannung nicht äußern wollte, legt der zeitliche Zusammenhang nahe, dass die Bestechungsversuche mit den Geschenkgutscheinen der Grund für den Rauswurf gewesen sein könnte. Amazon teilte allerdings mit, dass im Jahr 2020 über 200 Millionen Fake- Bewertungen gestrichen worden seien, noch bevor Kunden diese lesen konnten.

Amazon: Fake Rezensionen sind Umsatztreiber

Zwar gab es Probleme mit Gefälligkeitsrezensionen auch schon in der Vergangenheit, aber mit dem verstärkten Engagement von chinesischen Händlern auf dem Amazon- Marktplatz sind gefälschte Rezensionen eine echte Landplage geworden. In einem System, in dem Performance- Kriterien wichtige Ranking- Faktoren sind, ist die Zahl an positiven Rezensionen und Bewertungen natürlich ungemein wichtig – insbesondere für neue Händler und deren Produkte.

Entsprechend ist es in den letzten Jahren fast schon die Regel geworden, dass neue Produkte, die erst wenige Wochen oder Monate auf Amazon gelistet sind, schon eine dreistellige Zahl an positiven Bewertungen haben.  Bewertungen konnte man auf einschlägigen Plattformen und bis vor kurzem auch in Facebook- Gruppen kostenlos einsammeln. Als so genannte Produkttester durften die Rezensenten das Produkt behalten und bekamen auf anderem Wege ihre Zahlung erstattet.  Produkttester bekamen also für eine 5- Sterne- Bewertung ein kostenloses Produkt. Das Geschäft hat sich also für beide Seiten gerechnet.

Versuchten deutsche Händler bei diesem Geschäft vor ein paar Jahren teilweise noch den Schein eines Produkttests zu wahren, war die chinesische Konkurrenz dann sehr viel weniger subtil. In den per PN ausgetauschten Details zum Produkttest wurden klare Vorgaben über Inhalt und Aufmachung der Bewertung mitgeteilt – von einem Test mit ungewissem Ausgang konnte bei diesen Rezensionen also keine Rede mehr sein. Nicht dass deutsche oder europäische Händler viel moralischer gewesen wären, aber das Unrechtsbewusstsein – und damit verbunden die Vorsicht – sind hier vielleicht mentalitätsbedingt etwas ausgeprägter.

Im Ergebnis führte der systematische Betrug mit Bewertungen zur Manipulation des für Amazons Geschäftsmodell so wichtigen Rezensionssystem und in der Folge zu einem Vertrauensverlust. Amazon muss sich dabei vorwerfen lassen, dass sie das Problem offenbar zu lange unterschätzt hatten und nur schrittweise und zu zaghaft gegen die Betrügereien vorgegangen sind. So konnte man noch vor wenigen Jahren jeden Artikel bewerten – unabhängig davon, ob man ihn eigentlich nachweislich gekauft hatte oder nicht (Amazon geht gegen Fake- Rezensionen vor).

Wettbewerbsbehörden gehen gegen Amazon vor

Das Betrugssystem mit den Fake- Bewertungen hat inzwischen auch schon staatliche Behörden auf den Plan gerufen. So geht die britische Wettbewerbsbehörde gegen Amazon vor, weil Verbraucher durch falsche Rezensionen systematisch in die Irre geführt würden und Amazon als Hausherr auf seinem Marktplatz zu wenig dagegen unternehme.

Es ist natürlich auch ein ganz grundsätzliches wirtschaftliches Problem, das hinter den falschen Rezensionen steckt. Denn durch die hohe Bedeutung der Rezensionen für die Kaufentscheidung der Kunden geraten gesetzestreue Verkäufer zunehmend in Schwierigkeiten, weil ihr natürlich gewachsenes Rezensionsprofil lange nicht mit der Vielzahl von Gefälligkeitsrezensionen mithalten konnte.

Hier scheint es immerhin Hoffnung zu geben. Neben dem rigoroseren Vorgehen von Amazon gegen die Betrüger scheint es auch vorsichtige Änderungen des Amazon- Algorythmus hinsichtlich des Rankings zu geben. In einigen Kategorien ist jedenfalls zu bemerken, dass auffällig viele ältere Angebote mit weniger Rezensionen auf den vorderen Plätzen wieder vermehrt auftauchen. Ob das ein saisonaler Effekt ist oder tatsächlich eine Neugewichtung der Performance- Kriterien bei Amazon wird die Zukunft zeigen.

Amazon – Kampf gegen Fake Rezensionen wird schärfer – Fazit

Es mutet ein bisschen an wie ein Kampf gegen Windmühlen, aber Amazon macht in letzter Zeit deutlich, dass sie diesen Kampf annehmen und dabei auch vor der Sperrung von großen Anbietern nicht zurückschrecken. Ob das an dem betrügerischen System der Fake- Rezensionen nachhaltig etwas ändern kann, wird die Zukunft zeigen.

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Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

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