Bei der Präsentation der Quartalszahlen im April 2019 hat Ebay Deutschland erstmals konkret angekündigt, dass Deutschland nach den USA der zweite Marktplatz von Ebay sein wird, auf dem Ebays neue Zahlungsabwicklung in Zusammenarbeit mit Adyen eingeführt wird.

Während bisher die Zahlungsabwicklung auf Ebay in 90% der Transaktionen über die ehemalige Ebay- Tochter Paypal lief, soll diese nun mit Hilfe des neuen Partners Adyen direkt über Ebay laufen. Die Kunden zahlen also an Ebay und Ebay zahlt die Erlöse an die Verkäufer aus. Dabei werden auch weiterhin alle relevanten Zahlungsmethoden wie Kreditkarte, Lastschrift, Rechnung und eben auch Paypal angeboten; nur der Checkout- Prozess läuft nicht mehr über Paypal. Dadurch verliert Paypal natürlich eine Menge an Gebühren von den Verkäufern, denn es ist nicht davon auszugehen, dass Ebay Paypal 2,5% vom Transaktionserlös zahlen wird.

Ebay hatte schon 2011 die Einführung einer eigenen Zahlungsabwicklung angekündigt und war seinerzeit daran gescheitert, dass die Nummer 2 auf dem deutschen Onlinemarkt anders als Amazon über keine eigene Banklizenz verfügte und rechtlich zu solchen Geldgeschäften also gar nicht in der Lage war.

Ebays neue Zahlungsabwicklung: Paypal setzt Händler unter Druck

Dass Paypal über diese Ausbootung in seinem bisherigen Hauptgeschäftsfeld „not amused“ ist, konnte man annehmen. Nun haben Ebay- Händler Post von Paypal bekommen, in der auf die Probleme aufmerksam gemacht wird, die die neue Ebay- Zahlungsabwicklung für das Geschäftsverhältnis mit Paypal haben können.

In der knapp gehaltenen Email werden die Händler darauf hingewiesen, dass es bei Umstellung auf die neue Zahlungsabwicklung wahrscheinlich sein wird, dass man keinen Händlerkredit mehr in Anspruch nehmen kann bzw bei der Tilgung laufender Kredite Probleme bekommen kann, weil die Tilgung ja über die Paypal- Umsätze läuft. Bleiben Umsätze aus, weil die Ebay- Einnahmen nicht mehr auf dem Paypal- Konto landen, dann kann es tatsächlich schwierig werden, die Mindest-Tilgungsraten zu liefern.

Während letzteres wohl durch Überweisung der notwendigen Summen auf das Paypal- Konto umgangen werden kann, ist die Gefahr, keine Kredite mehr bewilligt zu bekommen, natürlich sehr real. Wer auf seinem Paypal- Konto eben vor allem die Ebay- Umsätze, aber kaum Umsätze von anderen Plattformen oder eigenen Shops hat, der wird von Paypal kaum mehr als kreditwürdig eingestuft werden.

Es scheint schon jetzt so, als hätte Paypal den Algorithmus, der über die Kreditvergabe entscheidet, angepasst. Ich schaue immer mal wieder, wie hoch die Summe ist, die mir aktuell noch als Händlerkredit eingeräumt werden würde und diese ist immer deutlich unter den 25% des Jahresumsatzes mit Paypal, den man eigentlich beantragen können sollte.

Ebays neue Zahlungsabwicklung: Für Händler wird’s billiger

Noch sind die Gebühren, die Ebay für die neue Zahlungsabwicklung erheben wird, zwar nicht bekannt, doch man geht davon aus, dass die Zahlungsverkehrskosten sinken werden und dass ein Teil dieser Einsparungen auch an die Händler weitergegeben wird. Auf dem US- Markt, wo die neue Zahlungsabwicklung bereits in der Testphase ist, wurden im 1. Quartal 2019 363 Mio US Dollar hierüber umgesetzt. Dabei sei es zu Einsparungen in Höhe von 2,7 Mio Dollar gekommen.

Die Weiterentwicklung des Ebay- Marktplatzes in Deutschland bleibt also spannend.

Alles rund um Ebay und Amazon könnt ihr in meinem Buch „Erfolgreich verkaufen auf Ebay, Amazon & Co“ nachlesen, das ich jedem Einsteiger gerne ans Herz legen möchte. Das Buch ist ein umfassender Ratgeber nicht nur für den Verkauf auf Amazon sondern für den Einstieg ins Online- Business. Von Gewerbeanmeldung, Förderungsmöglichkeiten und Steuerfragen über Wareneinkauf, Verpackungs-, Versand- und Payment- Lösungen bis hin zu Marketing, Suchmaschinenoptimierung und abgerundet mit jeder Menge rechtlicher Tipps zu Verbraucherschutz, Handels- und Markenrecht ist dies der ultimative Reader für Einsteiger und Fortgeschrittene in der Welt von Ebay & Amazon.

Das könnte dich auch interessieren:

Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Seite nutzt Website Tracking-Technologien von Dritten, um ihre Dienste anzubieten, stetig zu verbessern und Werbung entsprechend der Interessen der Nutzer anzuzeigen. Ich bin damit einverstanden und kann meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen oder ändern. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen