Kartellbeschwerde gegen Google

Der Vorwurf ist nicht neu: Google soll bei seiner Suchmaschine seinen eigenen Dienst Google Shopping gegenüber anderen Preisergleichsportalen bevorzugen. Damit sollen zum einen die Mitbewerber geschädigt werden und die Verbraucher deutlich höhere Preise zahlen müssen.

Das Preisvergleichsportal Geizhals und 40 weitere Vergleichsseiten wie billiger.de, Idealo, Preis.de oder Ladenzeile haben bei EU Wettbewerbskommissarin Margrethe Verstager eine offizielle Kartellrechtsbeschwerde eingereicht. Der Vorwurf: Google würde seinen eigenen Preisvergleichsdienst Google Shopping in den Suchergebnissen gegenüber den Mitbewerbern bevorzugen und damit seine marktbeherrschende Stellung missbrauchen.

2017 bereits Rekordstrafe gegen Google

Es ist erst zwei Jahre her, dass der Suchmaschinen- Gigant sich einer ähnlichen Beschwerde ausgesetzt sah. Damals hat die EU die Rekord- Geldstrafe von 2,4 Milliarden Euro gegen Google verhängt. Seinerzeit hatte die EU Kommission festgestellt, dass Google seine marktbeherrschende Stellung als Suchmaschine in allen 31 Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums bereits seit 2008 innehat (mit Ausnahme Tschechiens, wo diese Stellung erst 2011 erreicht wurde). Eine marktbeherrschende Stellung sei zwar nicht per se verboten, führe aber zu mehr Verantwortung im Umgang mit Wettbewerbern. Andere Vergleichsportale seien auf Zugriffe auf ihre Seite angewiesen, weil das Geschäftsmodell darauf basiere, das Anbieter für Klicks bezahlen, die ihnen potentielle Käufer vermitteln. Ein Pay per Click- System funktioniert aber nur, wenn eben auch Nutzer auf die Seite gelangen, die dann die gesponserten Ads anklicken. Wenn aber von dem Monopolisten Google die Suchergebnisse so präpäriert würden, dass deren eigenes Portal Google Shopping deutlich gegenüber den Mitbewerbern bevorzugt werde, so würden die anderen Preisvergleichsmaschinen hierdurch geschädigt.

Der Google Shopping- Vorgänger Froogle, der seit 2004 als eigene Preisvergleichs- Suchmaschine fungierte, funktionierte mehr schlecht als recht. Erst als Google 2008 die Strategie wechselte und seine führende Stellung in der allgemeinen Internetsuche dazu missbrauchte, Nutzern bei Anfragen gezielt und systematisch Angebote aus seinem eigenen Shopping- Portal ganz oder zumindest sehr weit oben anzuzeigen, hat man in diesem Geschäftszweig ein Bein auf den Boden bekommen. Das funktionierte natürlich nur, indem konkurrierende Vergleichsportale zu einschlägigen Suchbegriffen deutlich hinter dem eigenen Shopping- Suchdienst angezeigt wurden.

Nun also wieder systematische Benachteiligung?

Die 41 Mitbewerber von Google Shopping argumentieren in ihrer aktuellen Beschwerdem es würden weinger als fünf Prozent der Suchmaschinennutzer auf ihren Vergleichsportalen landen, weil Google sein Shopping- Portal in den Suchergebnissen vor ihnen ranken würde.

Geschädigt würden aber nicht nur die anderen Portale sondern letztlich auch die Verbraucher, denn diese würden durch die Weiterleitung über Google Shopping durchschnittlich 13,7% mehr bezahlen, so Markus Nigl, CEO von Geizhals Österreich zu der Beschwerde gegenüber dem Branchendienst T3n.de.

Die Beschwerde ist brisant, denn Google war 2017 dazu verpflichtet worden, die Ungleichbehandlung abzustellen. Im Falle der Zuwiderhandlung wurden Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes seiner Muttergesellschaft Alphabet angedroht.

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Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

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