Was mich an FBA nervt… Teil 1

Der FBA- Hype seit einigen Jahren kann fast den Eindruck vermitteln, als würde das Amazon- Universum nur darauf warten, noch einen Neueinsteiger schnell zum Millionär zu machen. Das ist nicht so. Im Gegenteil sind die Rahmenbedingungen rauer geworden. Vor drei, vier Jahren hätte ich auf die Frage, ob man mit FBA mehr Geld verdienen kann als ohne FBA noch klar „Ja“ gesagt, heute ist es ein „Ja, aber“.

Wie FBA funktioniert und welche Vorteile das Programm hat, ist ja reichlich ausgeweidet worden. Reden wir doch mal über ein paar typische Probleme. In loser Folge werde ich ein paar typische „Anfängerfehler“ vorstellen, dir ihr nach Möglichkeit vermeiden solltet, wenn ihr kein teures Lehrgeld zahlen wollt.

Es handelt sich bei den in den kommenden Wochen veröffentlichten Posts übrigens um Beiträge, die auf der neuen, dritten Auflage meines Buchs „Erfolgreich verkaufen auf Ebay, Amazon & Co“ basieren. Die ersten beiden Auflagen wurden von etwa 1000 Menschen gelesen und die neue Auflage ist noch mal deutlich erweitert worden. Die Printversion gibt es bei Amazon, als Ebook bekommt ihr das Buch z.B. bei Digistore24.

Amazon verdient mit

Was mich an FBA nervt
Was mich an FBA nervt

Die goldenen Zeiten, in denen man mit FBA schnell ein dickes Business auf die Beine gestellt hat, sind inzwischen vorbei. Jede der an FBA- Businesses beteiligten Parteien schneidet sich heute auf deine Kosten einen größeren Teil vom Kuchen ab und nicht selten führt das dazu, dass von deinem durch FBA zweifellos steigenden Umsatz (und die Steigerung ist tatsächlich enorm) kaum mehr Gewinn am Ende des Jahres übrig bleibt.

Dazu trägt vor allem Amazon selbst bei, die die Zügel in den vergangenen zwei Jahren massiv angezogen haben. 2016 betrugen die Lagergebühren noch 12 bzw. 18 Euro je m³, heute sind es 26 bzw 36 Euro, mehr als doppelt so viel. Die FBA- Gebühren werden regelmäßig erhöht, zuletzt in 04/18. Verkäufer, die nur aus Deutschland versenden lassen, zahlen 50 Cent je Bestellung mehr, es ist eine Rücksendegebühr für retournierte Artikel eingeführt worden und die eingeführten Langzeitlagergebühren erfordern faktisch eine Diversifizierung deiner Logistik hin zu zusätzlichem eigenen Lagerraum. Für immer mehr Kategorien führt Amazon kostenlose Retouren ein (die du als Verkäufer bezahlst) und überhaupt steigt deine Retourenquote mit FBA unweigerlich, denn Prime- Kunden kaufen oft 4 verschiedene Artikel, von denen sie 3 wieder zurückschicken.

Kurzum: Du musst einen Artikel bei Amazon ungefähr zum Vierfachen deines Einkaufspreises verkaufen können, um profitabel zu sein.

Dein Hersteller verdient mit

Damit sind wir beim Hersteller: In China warten die Lieferanten nicht unbedingt auf noch einen kleinen Anfänger, der mit FBA schnell reich werden will. Viele Hersteller setzen inzwischen hohe Mindestbestellmengen fest. Die Hersteller, die sich auf dich einlassen, gehen immer nach demselben Trick vor. Man macht dir bei der ersten Bestellung einen tollen Preis, an dem der Lieferant kaum etwas verdient. Willst du nachordern, sieht der Hersteller, dass du mit dem Artikel offensichtlich Geld verdient hast und die Preise steigen, meistens unter Hinweis auf steigende Rohstoffpreise. Das ist die Variante „Friss oder stirb“. Der Hersteller greift aber noch zu einem weiteren gemeinen Trick, um seinen Profit auf deine Kosten zu erhöhen: Er spart an der Qualität. Statt Edelstahl verwendet er für deine Suppenlöffel nur noch poliertes Metall, das nach einem Jahr zu rosten beginnt, statt 600 D Polyester verwendet er 450 D Polyester etc. Die Hersteller merken sofort, wer Anfänger ist, mit dem man das machen kann und wer zum Beispiel eine Agentur vor Ort mit der Qualitätssicherung und den Vertragsverhandlungen beauftragt. Die Kosten einer solchen Agentur schmälern natürlich wieder deine Marge…

Dienstleister verdienen mit

Die nächsten, die an dir mitverdienen wollen, sind die Dienstleister wie z.B. eine Import- Agentur, aber auch Rechtsbeistand für Widerrufsbelehrung, AGB, Datenschutzerklärung undsoweiterundsofort. Es hilft hierbei auch nicht, sich das einmal einzukaufen, denn Rechtstexte müssen alle Nase lang an neue geltende Bestimmungen angepasst werden. Nirgends wird so viel abgemahnt wie auf Amazon. Dazu kommen Bestimmungen für den Import, Kennzeichnungspflichten, Inverkehrbringen etc. pp

Wer noch nie etwas vom Reverse- Charge- Verfahren gehört hat, sollte auch seine Steuererklärungen besser von einem Fachmann machen lassen. Wenn du dich auf das Abenteuer PAN EU oder „Programm Mitteleuropa“ einlässt, wird das noch mal richtig teuer und du müsstest schon wirklich sehr viele Artikel verkaufen, damit sich das rentiert. Insbesondere sollte man in diesem Zusammenhang nicht bestimmten, von Amazon empfohlenen Steueragenturen glauben, die für einen geringen Pauschalpreis alles für euch zu erledigen vorgeben. Googelt mal den Namen der Agentur und überlegt euch, ob ihr mit denen einen Vertrag mit Vorkasse abschließen wollt.

Du siehst, deine Marge je verkauftem Artikel wird immer kleiner (und das waren nur ein paar Beispiele) und nun stell dir vor, dass du deine Suppenkellen an Amazon geschickt hast, vielleicht noch ein bisschen Geld für die Optimierung deines Listings in die Hand genommen hast und dann kommt ein Mitbewerber, kauft deine Kelle und schreibt eine vernichtende Rezension…

Soweit die Einführung. Ab kommenden Dienstag schauen wir uns ein paar Dinge an, die bei FBA schiefgehen können.

 

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