Warenlogistik

Zugegeben, es kommt nicht oft vor, aber es kommt vor. Ihr schickt einen Karton mit Ware an Amazon, die Sendungsverfolgung sagt, der Karton ist angekommen, er wird aber nie eingebucht. Was mich an Amazon FBA nervt… Teil 3.

Täglich gehen Tausende Sendungen in Amazons Warenlagern ein und natürlich geht da auch mal was verloren, doch bis ihr den Schaden erstattet bekommt, kann eine lange Zeit vergehen. Dies ist der dritte Teil meiner kleinen Reihe über Dinge, die mich an Fulfillment by Amazon nerven. Es handelt sich bei der Artikelreihe um einen kleinen Auszug aus der neuesten Auflage meines Buches „Erfolgreich verkaufen bei Ebay, Amazon & Co“, das ihr als Printversion oder als Ebook kaufen könnt.

Sendungen an Amazon gehen verloren

Wird eine Sendung an Amazon nicht eingebucht, müsst ihr zunächst warten, bis die Frist von zwei Wochen abgelaufen ist, die Amazon für die Einbuchung ab Anlieferung hat. Dann könnt ihr normalerweise einen Abgleich beantragen. Erst dann macht sich Amazon auf die Suche nach den Paketen. Das kann je nach Umfang der Sendung ein paar Tage, aber auch mehrere Monate dauern.

Als besondere Gängelei fordert euch Amazon auf, eure Handelsrechnung hochzuladen. So bekommt Amazon Zugriff auf eure Hersteller und eure Einkaufskonditionen. Praktisch, wenn Amazon sich mal entscheiden sollte, euren Artikel selbst anzubieten.

Weigert ihr euch, eure Handelsbeziehungen offenzulegen, ist der Fall für Amazon erledigt und es bleibt euch nur noch der Klageweg. Amazon reagiert dann einfach nicht mehr auf eure Nachrichten. Wenn der Erstattungsbetrag, um den es geht, nach der Amazon- Richtlinie zur Erstattung beschädigter oder verloren gegangener Einheiten höher als 500 Euro ist, stellt sich Amazon besonders zickig an.

Ich habe einmal 1000 Taschen an Amazon geschickt (Verkaufswert 30000 Euro), von denen 180 Stück verschwunden sind. Nach und nach wurden einzelne Kartons aufgefunden und eingebucht. Am Ende fehlten noch etwa 25 Stück. Es wurde erst die Handelsrechnung angefordert. Dann wurden Zolldokumente und Nachweise zur Einfuhrumsatzsteuer angefordert. Schließlich bekam ich die Mitteilung, dass leider nicht erstattet werden könne, weil der Finanzbuchhaltung die Dokumente nicht ausreichen würden.

Ich habe dann unter sauberer Auflistung der Rechtsgrundlagen deutlich gemacht, dass die Verpflichtung zum Ersatz eines verursachten Schadens nicht abhängig davon ist, ob eine  Finanzbuchhaltung etwas mit meinen Unterlagen anfangen kann oder nicht. Ich habe höflich unter Fristsetzung letztmalig darum gebeten, den entstandenen Schaden zu regulieren. Daraufhin bekam ich eine herunter gerechnete Erstattung von 494 Euro (nach Amazons Richtlinie wären es eigentlich knapp über 500 Euro gewesen).

Mir ist schon häufiger von Verkäuferservice- Mitarbeitern gesagt worden, dass sie bis zu 500 Euro erstatten dürften. Darüber hinausgehende Forderungen seien „schwierig“.

Was lernen wir daraus?

Splittet die Sendungen an Amazon so auf, dass jede einzelne Sendung einen Erstattungswert von unter 500 Euro hat. Also schickt nicht palettenweise sondern kartonweise und macht nicht eine Sendung mit 5 Kartons sondern 5 Sendungen mit je einem Karton. Mehr Aufwand, aber deutlich sicherer.

Kommunikationsverweigerung a la Amazon

In 2020 hatte ich dann noch einmal Kummer mit Amazon, als wieder Teile einer Lieferung nicht eingebucht wurden. Nach der hauseigenen Sendungsverfolgung, die Amazon inzwischen im Sellercentral zur Verfügung stellt, wenn man mit DHL als Amazon Transportpartner versendet, waren alle Pakete als zugestellt markiert. Sie sind also offensichtlich in den Einflussbereich von Amazon gelangt. Trotzdem wurde eine Erstattung der verloren gegangenen Einheiten mit der Begründung abgelehnt, die Kartons könnten ja gar nicht angeliefert worden sein, sonst wären sie ja gescannt worden.

Das ist natürlich Amazon- Logik aus dem Stabilbaukasten. Wir verschlampen deine Ware, so dass sie nicht mehr aufgefunden wird und sagen dann einfach, dass das ein Beleg dafür sei, dass die Ware gar nicht bei uns sein kann, weil wir sie ja sonst finden würden. Diese hanebüchene Begründung wurde von Amazon wochenlang stur durchgehalten. Auf meine Schreiben sowohl an die Deutschland- Zentrale wie auch an Amazon in Luxemburg wurde natürlich nicht reagiert. Amazon reagiert grundsätzlich nicht auf Schreiben – es sei denn, es handelt sich um eine Klagezustellung vom Gericht.

Ich kürze das jetzt mal ein bisschen ab: Nach ungefähr sechs Wochen wurden die fehlenden Einheiten plötzlich eingebucht. Wie von Geisterhand waren die Pakete laut Lagerbestandsbericht plötzlich in einem anderen Fulfillment Center aufgetaucht und eingebucht. Offensichtlich hatte irgendein Lagerdödel die Pakete beim FC Transfer nicht richtig gescannt und schon waren sie raus aus dem System.

Dass solche Fehler in einer Riesenlogistik vorkommen, ist absolut menschlich und wäre auch undramatisch, wenn Amazon hier einfach mal vernünftig kommunizieren würde. Die bräsige Arroganz von Sachbearbeitern, denen die Existenz ihrer Verkäufer schlicht an der Rückenverlängerung vorbeigeht, ist schwer zu ertragen – insbesondere wenn es ums eigene Geld geht.

Sendungen an Amazon werden nicht eingebucht

Dass Sendungen an Amazon verschwinden ist selten. Häufiger ist es, dass es ewig dauert, bis die Sendungen eingebucht werden. Insbesondere zu den Stoßzeiten im Sommer und im Weihnachtsgeschäft, dauert das Einbuchen viel länger als in der Nebensaison.

Natürlich will jeder Verkäufer vermeiden, dass seine Produkte auslaufen und der mühsam erarbeitete Verkaufsrang den Bach runtergeht. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn Artikel erst viel zu spät eingebucht werden und dann auch noch eine Woche nicht verkaufbar sind, weil Amazon sie zwischen den Fulfillment- Centern hin- und herschickt. Was ihr als Verkäufer da machen könnt? Gar nichts. Außer die Ware sehr, sehr rechtzeitig loszuschicken und in Kauf zu nehmen, dass eure Lagerkosten dadurch ansteigen.

Was mich an FBA nervt – Fazit

Verkaufen bei Amazon macht langfristig keinen Spaß. Man macht es als Verkäufer, weil Amazon als größte Plattform ein Monopol innehat, mit dem sie manchmal recht rücksichtslos umgehen. Jeder der länger hier verkauft, sucht vermutlich nach Wegen seine Abhängigkeit von Amazon ein Stück weit zu reduzieren.

Alles rund um Ebay und Amazon könnt ihr in meinem Buch „Erfolgreich verkaufen auf Ebay, Amazon & Co“ nachlesen, das ich jedem Einsteiger gerne ans Herz legen möchte. Das Buch ist ein umfassender Ratgeber nicht nur für den Verkauf auf Amazon sondern für den Einstieg ins Online- Business. Von Gewerbeanmeldung, Förderungsmöglichkeiten und Steuerfragen über Wareneinkauf, Verpackungs-, Versand- und Payment- Lösungen bis hin zu Marketing, Suchmaschinenoptimierung und abgerundet mit jeder Menge rechtlicher Tipps zu Verbraucherschutz, Handels- und Markenrecht ist dies der ultimative Reader für Einsteiger und Fortgeschrittene in der Welt von Ebay & Amazon.

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Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

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