In diesem Tutorial zeige ich euch Schritt für Schritt, wie ihr einen Artikel im Amazon Sellercentral zu „Versand durch Amazon“ ändert und eine FBA- Sendung anlegt, um Lagerbestand an Amazon zu senden.

Produkt zu „Versand durch Amazon ändern“

Um ein Produkt zu „Verrsand durch Amazon“ (FBA) zu ändern, geht ihr auf Lagerbestand verwalten.

Versand durch Amazon

 

Dort sucht ihr das  Produkt, das ihr zu FBA ändern wollt, markiert es und klickt oben links in dem Dropdown- Menu auf „Zu Versand durch Amazon ändern“.

Versand durch Amazon

 

Im nächsten Schritt werdet ihr gefragt, ob ihr das Produkt nur konvertieren oder auch Lagerbestand an Amazon senden wollt.

Versand durch Amazon

In beiden Fällen müsst ihr ein kurzes Formular zur Gefahrgutprüfung mit zwei Fragen ausfüllen.

Gefahrgutprüfung Versand durch Amazon

Versand durch Amazon

Lagerbestand an Amazon senden: FBA- Sendung anlegen

Ihr gelangt dann im nächsten Schritt zur Versandvorbereitung, wo ihr oben zunächst den Marktplatz auswählen müsst, in dem ihr eure Ware lagern wollt.

ACHTUNG! Wenn ihr hier einen anderen als den deutschen Marktplatz wählt, werdet ihr in dem Land umsatzsteuerpflichtig, was je nach Land sehr aufwendig und teuer werden kann.

FBA Sendung anlegen

Wenn ihr eure Produkte auch auf anderen Marktplätzen verkaufen wollt, müsst ihr diese nicht unbedingt in dem entsprechenden Land lagern. Ihr könnt auch in Deutschland lagern und von dort mit dem Europäischen Versandnetzwerk von Amazon (EFN, European Fulfillment Network) nach Italien, UK, Spanien oder Frankreich versenden lassen.

Von dem EFN zu unterscheiden ist das Amazon PAN EU- Programm. Bei PAN EU erlaubt ihr Amazon, euren Warenbestand in allen fünf Marktplatzländern zu lagern. Dafür müsst ihr euch dann aber in allen fünf Ländern umsatzsteuerlich registrieren lassen.

Der Vorteil von PAN EU gegenüber dem EFN sind natürlich die günstigeren Versandkosten. Lagert ihr Lagerbestand z.B. in Italien, so müsst ihr bei einer Bestellung nur die lokalen Versandkosten innerhalb Italiens zahlen, während ihr beim EFN die Gebühren für den Versand von Deutschland nach Italien zahlt. Während der Preisunterschied jahrelang nicht allzu gravierend war, ist der Versand über EFN seit 2018 deutlich teurer geworden. Es scheint, als wolle Amazon seine Verkäufer mit ein bisschen sanftem Preisdruck in das PAN EU- Programm bewegen.

Trotzdem: PAN EU mit all den Kosten für die Umsatzsteuerregistrierung und deren Folgen lohnt sich deshalb nur, wenn ihr wirklich viele Artikel im europäischen Ausland verkauft. Für den Anfang empfehle ich daher grundsätzlich EFN.

Als nächstes müsst ihr Maße und Gewicht eures Produktes angeben. Dies sind nur vorläufige Angaben, da eure Produkte von Amazon beim Einbuchen elektronisch vermessen werden. Es lohnt sich also nicht, hier zu schummeln.

FBA Sendung anlegen

 

Der nächste Schritt ist dann ein bisschen zeitaufwendig, denn ihr müsst die Amazon- Produktetiketten ausdrucken und auf euren Produkten so anbringen, dass alle anderen Barcodes verdeckt werden.

FBA Etiketten drucken

Wenn ihr eure Ware aus China direkt vom Hersteller importiert, würde ich euch empfehlen, die Amazon- Barcodes vom Hersteller auf dem Produkt anbringen zu lassen. Ansonsten müsst ihr euch zunächst FBA- Klebeetiketten bestellen. Amazon unterstützt eine Reihe von Formaten. Ich verwende 63,5 x 29,6 mm, dann passen 27 Etiketten auf einen DIN A4 Bogen. Ihr könnt euch die Etiketten nun in der Versandvorbereitung ausdrucken oder jederzeit im Sellercentral unter „Lagerbestand verwalten“ bei dem Produkt ganz rechts aus dem Dropdown- Menu „Artikeletiketten drucken“ wählen.

 

Wenn ihr die Produktetiketten schon angebracht habt, klickt ihr im Versandmenu auf Weiter und gelangt dann in die Übersicht, wo ihr die Sendung noch genehmigen müsst.

Versand durch Amazon- Sendung anlegen

Wenn ihr die Sendung genehmigt habt, gelangt ihr als nächstes in das Versandmenu, wo ihr die Möglichkeit habt, eine Sendung mit eurem eigenen Transportdienstleister zu hinterlegen oder einen Versandpartner von Amazon (i.d.R. DHL) zu wählen.

Wenn ihr Amazon die Erlaubnis erteilt habt, euren Lagerbestand in Polen und Tschechien zu lagern (ACHTUNG: Hier gilt das gleiche Umsatzsteuer- Problem, das oben schon beschrieben wurde), ist der Versand an ein Amazon- Lager in einem dieser beiden Länder derzeit kostenlos. Ansonsten kostet ein Paket über Amazon derzeit 3,32 Euro.

Als Füllmaterial dürft ihr übrigens keine Styropor- Chips o.ä. verwenden sondern ausschließlich Papier oder Pappe. Wiegt euer Paket an Amazon mehr als 15 kg, so müsst ihr auf allen vier Seiten des Pakets einen Aufkleber „Achtung! Schweres Paket“ anbringen. Die Vorlage hierfür könnt ihr in der Versandvorbereitung downloaden. Insgesamt darf das Paket nicht mehr als 23 kg wiegen.

Habt ihr euch für einen Transportpartner entschieden, könnt ihr als nächstes angeben, ob die Artikel in einem oder mehreren Kartons versendet werden. Habt ihr ganz am Anfang beim Anlegen der Sendung als Verpackungsart wie empfohlen „Einzelne Produkte“ gewählt, könnt ihr auch mehrere verschiedene Artikel in einer Sendung verschicken, während „Artikel in sortenreinen Kartons“ eben nur eine ASIN pro Karton erlaubt. Gebt nun die Maße und das Gewicht der Kartons an und bestätigt diese Angaben.

FBA Sendung genehmigen

 

Klickt nun auf die Schaltfläche „Transportkosten berechnen“, akzeptiert dann die AGB durch Haken in dem Kästchen links und bestätigt erneut. Dann wird die Schaltfläche unten links freigegeben, wo ihr das Etikett für die Sendung sowie euren DHL- Versandschein downloaden könnt.

FBA Sendung versenden

 

Abschließend klickt ihr unten rechts auf „Sendung abschließen“ und bestätigt dann, dass ihr das Paket verschickt habt.

Auf der Seite „Lagerbestand à Sendungen an Amazon verwalten“ könnt ihr den Status eurer Sendung überprüfen.

 

Ob ihr mehrere verschiedene ASIN’s in einem Paket verschicken könnt, hängt übrigens davon ab, ob die Artikel alle in dasselbe Amazon- Logistiklager geschickt werden. Das entscheidet Amazon anhand eines Algorithmus und kann sich bei jeder Sendung ändern. Habt ihr Artikel XY z.B. bisher immer an das Amazon- Warenlager DTM geschickt, so kann es trotzdem sein, dass Amazon beim nächsten Mal den Artikel in ein anderes Warenlager geschickt haben möchte.

Bis Ende 2017 wurden z.B. Artikel in Normalgröße fast immer in Warenlager in Polen geschickt, während Übergröße- Artikel ausschließlich in Deutschland gelagert wurden. Inzwischen ist es beinahe umgekehrt. Die meisten Übergröße- Artikel will Amazon inzwischen nach Polen geschickt bekommen (was mir sehr recht ist, weil Amazon dafür die Versandkosten übernimmt), während Standardgrößen überwiegend an deutsche Lager versendet werden.

Es kann also passieren, dass Amazon am Ende der Sendungserstellung sagt, dass von den fünf verschiedenen Artikeln zwei nach WRO2, einer nach DTM und zwei weitere nach Maschen geschickt werden sollen. Das ist doppelt ärgerlich, weil im Zweifel mehrfache Versandkosten auf euch zukommen und ihr vielleicht auch Paketgröße und Gewicht für den gemeinsamen Versand in einem Paket optimiert habt.

FBA- Sendung anlegen: TIPP zur Sendungsgröße

Nehmen wir an, ihr habt einen gut laufenden Artikel und wollt deshalb gleich eine größere Anzahl von diesem Artikel an Amazon schicken. Dabei sind zwei Dinge zu beachten: Zum einen verlangt Amazon ab einer bestimmten Menge die Anlieferung auf Paletten. Das kann zwar im Einzelfall tatsächlich billiger sein, aber ist auch größerer Aufwand, weil für Paletten- Anlieferungen wieder besondere Regeln gelten. Zum anderen, das werdet ihr sehr bald merken, werden Artikel bei der Anlieferung manchmal von Amazon beschädigt oder es verschwinden ganze Sendungen oder größere Teile davon.

In beiden Fällen gilt die Amazon- Richtlinie für die Erstattung von beschädigtem oder verloren gegangenem Lagerbestand. Grob gesagt bestimmt diese, dass Amazon im Verlustfall den durchschnittlichen Verkaufspreis minus Amazon Verkaufsgebühren und Amazon FBA- Gebühren erstattet. Dies geschieht in der Regel professionell und geräuschlos – jedenfalls, so lange es um kleinere Beträge geht.

Übersteigt der zu erstattende Betrag aber 500 Euro, so wird Amazon zickig, verlangt Nachweise über den ordnungsgemäßen Import, Handelsrechnungen, Zollrechnungen etc. Weigert ihr euch, Amazon (immerhin ein potentieller Verkaufskonkurrent auf dem Marktplatz) eure Händlerbeziehungen offenzulegen, ist der Fall für Amazon erledigt und ihr hört nie wieder etwas von denen. Spielt ihr das Spiel mit, kennt Amazon die Anschrift eures Handelspartners und euren Einkaufspreis und ihr müsstet euch nicht wundern, wenn euer Kassenschlager plötzlich als Amazon- Handelsmarke auf dem Marktplatz auftaucht.

Im Übrigen ist die Erstattung auch bei Übergabe der nötigen Papiere keinesfalls sicher. Bei mir waren knapp 300 Sporttaschen im Verkaufswert von 10000 Euro verschwunden. Der Großteil wurde zwar im Laufe der Monate wieder aufgefunden und eingebucht, aber ein paar Kartons fehlten immer noch. Ich habe Amazon die geforderten Papiere ausgehändigt und bekam nach zwei Monaten den lakonischen Hinweis, der Buchhaltung würde eine Commercial Invoice nicht ausreichen und der Fall würde nun geschlossen werden.

Ich habe darauf hingewiesen, dass die Verpflichtung von Amazon zum Schadenersatz unabhängig von dem Befinden der Buchhaltung bestehen würde und Klage für den Fall angedroht, dass man mir den Schaden nicht ersetzen würde. Zu dem Zeitpunkt betrug der Streitwert noch knapp über 500 Euro. Der Sachbearbeiter hat dann einfach den Lagerbestand um ein paar Taschen korrigiert, so dass noch 495 Euro zu erstatten waren und hat dann gezahlt.

Der langen Rede kurzer Sinn: Teilt Sendungen nach Möglichkeit so auf, dass der Erstattungswert (also Verkaufspreis minus Amazon- Gebühren) unter 500 Euro liegt, um im Falle des Verlustes nicht vor die Wahl gestellt zu werden, Amazon verklagen oder einen höheren Betrag abschreiben zu müssen.

FBA- Lagerbestand an Amazon senden: Fazit

Es sind eine Reihe von Einzelschritten, aber es ist keine Raketenwissenschaft und wenn ihr das regelmäßig macht, dauert das Anlegen einer FBA- Sendung im Sellercentral keine fünf Minuten mehr.

Ausführlicher könnt ihr das alles in meinem Buch „Erfolgreich verkaufen auf Ebay, Amazon & Co“ nachlesen, das ich jedem Einsteiger gerne ans Herz legen möchte. Das Buch ist ein umfassender Ratgeber nicht nur für den Verkauf auf Amazon sondern für den Einstieg ins Online- Business. Von Gewerbeanmeldung, Förderungsmöglichkeiten und Steuerfragen über Wareneinkauf, Verpackungs-, Versand- und Payment- Lösungen bis hin zu Marketing, Suchmaschinenoptimierung und abgerundet mit jeder Menge rechtlicher Tipps zu Verbraucherschutz, Handels- und Markenrecht ist dies der ultimative Reader für Einsteiger und Fortgeschrittene in der Welt von Ebay & Amazon.

Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

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