Amazon Lagerbestandsindex

Mit der Einführung des so genannten Lagerbestandsindex im letzten Jahr wollte Amazon Verkäufer dazu bringen, überwiegend schnelldrehende Artikel für den Versand durch Amazon anzumelden. Nun gibt es erneut kurzfristige Änderungen, die für Unmut bei den Verkäufern sorgen.

Dass man Lagergebühren nach Möglichkeit vermeidet, wird jeder Verkäufer schon aus Eigeninteresse im Blick haben. Mit der Einführung des Lagerbestandsindex wollte Amazon eigentlich den Marktplatz- Händlern ein Instrument an die Hand geben, seine Lagergebühren besser unter Kontrolle zu halten. Doch ständige – auch kurzfristige – Änderungen an den Regeln und die satten Strafgebühren bei Überschreitung seiner Lagervolumina sorgen für Frust bei den Verkäufern.

Amazon – Was ist der Lagerbestandsindex?

Der individuelle Lagerbestandsindex für jeden Verkäufer ist eine Zahl zwischen 0 und 1000, die angeben soll, wie effizient ihr euren Lagerbestand und Abverkauf managt. Die maßgeblichen Kennzahlen für die Verbesserung eures LBI sind die folgenden:

  • Überbestand
  • Durchverkauf
  • Lagerbestand ohne aktives Angebot
  • Vorrätiger Lagerbestand

Vereinfacht gesagt, geht es darum, schlecht verkäufliche Artikel nur in geringer Stückzahl und die gut verkäuftlichen Artikel, die so genannten Schnelldreher, ausreichend vorzuhalten. Überbestand betrifft in der Regel die Ladenhüter, die Amazon am liebsten gar nicht mehr in seinen Warenlagern sehen würde. Artikel mit Überbestand haben in der Regel auch einen unbefriedigenden Durchverkauf. Dagegen tritt bei Topsellern oft das entgegengesetzte Problem auf, das nicht ausreichend Ware für den Abverkauf vorhanden ist und einem Angebote leerlaufen.

Um Verkäufer dazu zu bewegen, ein besseres Lagermanagement zu implementieren, hatte Amazon im vergangenen Jahr festgelegt, dass Verkäufer mit einem LBI unter 400 Lagerbestandsmaxima auferlegt bekommen. Überschreitet ein Verkäufer das Lagerbestandmaximum für Standard- Artikel, Artikel in Übergröße, Bekleidungsartikel oder Schuhe, muss er empfindliche Strafgebühren pro Kubikmeter zahlen, die sich nur vermeiden lassen, wenn man entweder seinen Abverkauf vorher verbessert (z.B. durch Rabattaktionen) oder bei Inkrafttreten des Lagerbestandsmaximum überschüssige Ware remissioniert.

Lagerbestandsindex kurzfristig hochgesetzt

Im Mai hat Amazon nun sehr kurzfristig verkündet, dass der erforderliche LBI von inzwischen 450 auf nunmehr 500 zum nächsten Quartal festgesetzt wird. Konkret bedeutet das, dass Verkäufer, die in der Woche vom 17.05.2021 und vom 21.06.2021 unter dem neuen LBI von 500 bleiben, dann weiteren Auffüllbeschränkungen und Lagerbestandmaxima unterliegen werden.

Die Auffüllbeschränkungen sind auch erst vor kurzem dazu gekommen. Bisher gab es nur eine Beschränkung für das Lagerbestandsvolumen. Nunmehr gibt es darüber hinaus auch eine Beschränkung nach Stückzahl. Man darf also nur noch eine bestimmte Gesamtmenge an Artikeln in Standard- oder Übergröße bei Amazon einlagern. Heißt konkret: Wer viele schlecht verkäufliche Artikel bei Amazon lagert, hat weniger Spielraum für das Auffüllen der gut verkäuflichen Ware.

Amazon sagt, dass die für jedes Quartal und für jeden Verkäufer neu festgelegten Lagerbestandsmaxima ausreichend seien, um Lagerbestand für zwei bis drei Monate bei Amazon einzulagern. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man als Händler vermeiden sollte, mehr Lagerbestand zu Amazon zu schicken, als man in den nächsten drei Monaten abverkaufen kann. Das kann zu Problemen bei denen führen, die gar kein eigenes Lager haben sondern Importware direkt bei Amazon einlagern lassen.

Was können Amazon- Händler jetzt tun?

Von den Lagerbestandsmaxima und Auffüllbeschränkungen ist aktuell nur betroffen, wer einen Lagerbestandsindex von unter 450 hat. Zum 1. Juli 2021 wird diese Grenze dann auf 500 angehoben. Wer jetzt schon Probleme hat, die 450 zu halten, sollte zum einen Maßnahmen ergreifen, um im Juni noch Ladenhüter abzuverkaufen. Dazu eignen sich natürlich immer Preisaktionen und Amazon Sponsored Products. Zufällig sind das beides auch Dinge, die Amazon ganz hervorragend gefallen. Regelmäßige Preisaktionen von Händlern, die Probleme mit ihrem LBI haben, erhöhen die Attraktivität des Marktplatzes und mit den Sponsored Products verdient sich Amazon erst recht eine goldene Nase.

Alternativ kann man natürlich auch jetzt schon beginnen, überschüssigen Lagerbestand zu euch zurückschicken oder von Amazon vernichten zu lassen. Alle diese Möglichkeiten mindern natürlich die Marge und sind deshalb extrem ärgerlich – insbesondere wenn man nicht genau weiß, wie sich der LBI entwickelt. Denn diesen zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen, scheint ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Verkäufer berichten jedenfalls, dass selbst wenn sie Überbestände reduzieren und den Abverkauf durch Preisaktionen beschleunigen, der LBI trotzdem weiter runter geht als zu steigen.

In Zukunft wird vermutlich ein Mix- Modell wieder attraktiver, bei dem der Händler die nicht so gut verkäuflichen Artikel selbst versendet und nur die Schnelldreher durch Amazon verschicken lässt.

Amazon – Änderungen am Lagerbestandsindex – Fazit

Mitten in der Sommersaison erhöht Amazon wieder die Anforderungen an den Lagerbestandsindex und stellt viele Händler so vor Probleme. Nur auf FBA zu setzen, wird für Händler immer riskanter – auch weil es mit dem ebay Fulfillment by Orange Connex inzwischen eine vielversprechende Alternative gibt.

Alles rund um Ebay und Amazon könnt ihr in meinem Buch „Erfolgreich verkaufen auf Ebay, Amazon & Co“ nachlesen, das ich jedem Einsteiger gerne ans Herz legen möchte. Das Buch ist ein umfassender Ratgeber nicht nur für den Verkauf auf Amazon sondern für den Einstieg ins Online- Business. Von Gewerbeanmeldung, Förderungsmöglichkeiten und Steuerfragen über Wareneinkauf, Verpackungs-, Versand- und Payment- Lösungen bis hin zu Marketing, Suchmaschinenoptimierung und abgerundet mit jeder Menge rechtlicher Tipps zu Verbraucherschutz, Handels- und Markenrecht ist dies der ultimative Reader für Einsteiger und Fortgeschrittene in der Welt von Ebay & Amazon.

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Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

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