Was mich an FBA nervt, Teil 2

Die Internet- Gemeinde feiert Amazons FBA- Programm als den entspannten Weg zum Wohlstand und tatsächlich verkaufen sich viele (weiß Gott nicht alle!!) Produkte mit FBA deutlich besser als mit Eigenversand.

Doch der Preis, den man für den Umsatzboost zahlt, ist sehr viel höher, als einem das in der ersten Euphorie bewusst wird.

Hier ist der zweite Teil  der nicht abschließenden Liste an Dingen, die mich an FBA nerven:

Die FBA- Gebühren

Natürlich zahlt man für Dienstleistungen, die man in Anspruch nimmt. Tatsächlich sind die FBA- Gebühren für kleine und leichte Artikel atemberaubend niedrig. Doch wehe euer Produkt ist auch nur einen Zentimeter länger, breiter oder höher als das Amazon- Standardmaß. Dann steigen die Gebühren ins Irrationale und liegen deutlich über dem, was man bei Eigenversand zahlen würde. Zudem berechnet Amazon die Gebühr je verkauftem Artikel. Kauft ein Kunde also zwei, drei oder mehr Artikel, so würde euer Profit bei Eigenversand ordentlich steigen, weil ihr die Bestellung in einem Paket versendet. Das macht Amazon natürlich auch, steckt sich den Profit aber in die eigene Tasche.

Richtig teuer wird es, wenn der Kunde den oder die gekauften Artikel wieder zurückschickt. Zum einen gibt es Kategorien wieKleidung oder ab September 2018 auch Koffer, Taschen, Rucksäcke oder Schmuck,bei denen ihr grundsätzlich die Rücksendekosten zahltIn allen anderen Kategorien zahlt ihr die Rücksendekosten dann, wenn der Kunde als Rücksendegrund „Artikel defekt“ oder „Artikel entspricht nicht der Beschreibung“ angibt. Kontrolliert Amazon, ob der angegebene Rücksendegrund wirklich vorliegt? Nö, ist ja nicht deren Geld…

Unabhängig von der Frage der Rücksendekosten bleibt ihr als Verkäufer aber in jedem Fall auf den FBA- Gebühren sitzen, was bei einer Bestellung mit mehreren Artikel schnell sehr schmerzhaft wird. Und als Bonbon berechnet Amazon seit 2018 auch noch eine Rücksendegebühr je zurück geschicktem Artikel.

Neben den FBA- Gebühren entstehen noch Lagergebühren. Noch vor gar nicht so langer Zeit, waren die Lagergebühren mit 12 Euro pro Kubikmeter (bzw. 18 Euro im 4. Quartal) richtig attraktiv. Inzwischen kostet die Lagerung 28 bzw. 38 Euro pro m³.

Als wäre diese Preissteigerung nicht schon drastisch genug, gängelt Amazon seine Verkäufer noch mit Langzeitlagergebühren von 500(!) Euro je m³ für Ware, die am 15.2. oder am 15.8. länger als sechs Monate bei Amazon lagert. Wenn ihr also einen Container mit Ware zu Amazon schickt und sich der Artikel nicht so verkauft, wie ihr euch das gewünscht habt (und das kommt leider auch in der FBA- Welt häufig genug vor), dann könnt ihr euch euren Ramsch zu den genannten Stichtagen kostenpflichtig von Amazon zurückschicken lassen. Fällig werden dann 25 Cent pro Artikel in Standardgröße und 50 Cent für Artikel in Übergröße. Da viele FBA’ler dazu neigen, kleine Artikel mit niedrigen Stückkosten zu importieren, kann so eine Remissionsgebühr schon mal ordentlich ins Gewicht fallen.

Fazit

Größe und Retourenanfälligkeit eines Artikels müssen unbedingt beachtet werden, bevor ihr größere Mengen davon zu Amazon schickt. Hat euer Artikel ein spezielles ungewohntes Format, gibt es vielleicht Probleme bei der Farbdarstellung auf den Produktfotos, so dass euer Produkt in der Realität anders wirkt als dargestellt? Alles, was zu einer höheren Zahl an Retouren führen könnte, sollte wohl bedacht werden, denn das sind klassische Marge-Killer.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus der neuen Auflage meines Sellercamp- Buches „Erfolgreich verkaufen auf Ebay, Amazon & Co“, das es als Ebook oder Printversion zu kaufen gibt.

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