Amazon bietet aktuell wieder Aktionsrabatte für Verkäufer an, die sich für „Prime durch Verkäufer“ anmelden. Das ist das Programm, mit dem Amazon seit ein paar Jahren Verkäufern ermöglicht, das beliebte Prime- Logo für die eigenen Angebote zu bekommen, ohne Versand durch Amazon zu nutzen.

Wer Versand durch Amazon nutzt, wird wissen, dass das Programm und mutmaßlich das Prime- Logo für einen mächtigen Umsatzboost sorgen kann. Dabei übernimmt Amazon die komplette Logistik und den kompletten Kundenservice, was Vor- und Nachteile haben kann. In meiner Reihe „Was mich an FBA nervt“ habe ich ja bereits ein paar typische Nachteile des Programms aufgezeigt.

Lohnt sich "Prime durch Verkäufer"?
Lohnt sich “Prime durch Verkäufer”?

Die Vorteile sind natürlich unbestritten die bessere Sichtbarkeit und die höheren Vermarktungschancen wie Teilnahme an Blitzangeboten. Dafür müsst ihr ein Mindestvolumen von fünf Paketen am Tag garantieren.

Neben vereinzeltem Logistik- Versagen bei Amazon und einem mitunter sehr spendierfreudigen Customer- Service ist der Hauptgrund, aus dem sich Verkäufer gegen FBA entscheiden, das liebe Geld. Während die Konditionen im Standardmaß- Bereich absolut wettbewerbsfähig sind, sind die Gebühren für den Versand von so genannten Übergröße- Artikeln relativ happig- insbesondere, wenn man selbst einen Vertrag mit einem Versanddienstleister hat, der bessere Konditionen aufweist.

So könnte man als Verkäufer auf die Idee kommen, dass „Prime durch Verkäufer“ der ideale Weg ist, das beste aus beiden Welten, die Autonomie des Eigenversands und den Preisvorteil einerseits und das Prime- Logo andererseits, zu verbinden, doch in der Realität ist es oft genau anders herum.

DPD als Versandpartner

Es fängt damit an, dass ihr in der Wahl des Versandpartners nicht autonom seid, sondern dieser von Amazon vorgeschrieben wird. Für Deutschland soll ausgerechnet DPD die rechtzeitige und pflichtgemäße Zustellung der Prime- Bestellungen garantieren.

Ich habe ein ganzes Jahr mit DPD zusammen gearbeitet und ich hatte noch nie so viele Reklamationen und Beschwerden wegen nicht oder falsch oder zu spät zugestellter Pakete wie in diesem Jahr. Von den Problemen an der eigenen Haustür, inklusive der kompletten Unfähigkeit meines zuständigen DPD- Depots, eine regelmäßige Abholung sicherzustellen, mal ganz zu schweigen.

Ihr werdet also von Amazon zwangsverpflichtet, wider besseren Wissens mit DPD zusammen zu arbeiten. Das dicke Ende kam dann aber erst noch, als ich realisierte, dass ich für die Teilnahme am „Prime durch Verkäufer“- Programm gar nicht meinen eigenen Vertrag mit DPD nutzen konnte sondern den DPD- Versand zu den Amazon- Konditionen durchführen müsste, die sich zufällig nicht am Gewicht des Pakets orientieren sondern am Volumen, also der Größe der Kartonage. Amazon weiß natürlich, dass gerade Verkäufer von Übergröße- Artikeln ein Interesse am Eigenversand haben könnten, weil FBA für Übergröße eben deutlich teurer ist als für Standardgröße. Wenn man nun Eigen- Prime volumenbasiert zahlt, dann bleibt von einem möglichen Preisvorteil gegenüber dem Versand durch Amazon kaum noch etwas übrig.

Amazons DPD- Versandtabellle ist unterteilt in fünf Volumeneinheiten, die sich aus der Summe von längster und kürzester Seite des Pakets ergeben. Dann unterscheiden sich die Preise noch nach Standard- und Premium- Versand („1-Tag- Versand innerhalb Deutschlands“) und innerhalb dieser Preisklassen gibt es dann noch Rabatte für mindestens 250 Pakete im Monat (5%) oder 2500 Pakete im Monat (12,5%).

Selbst der Preis für die kleinste Paketgröße im Standardversand mit dem höchsten Rabatt, also der niedrigste Preis überhaupt im Prime durch Verkäufer- Programm ist teurer als mein eigener Tarif, den ich bei DPD habe.

Kundenservice durch Amazon

Auch die vermeintliche Autonomie im Kundenverkehr endet exakt mit der Übergabe des Pakets an Amazon. Von da an ist für die Bestellung nämlich wieder der Kundendienst von Amazon zuständig. Das kann man einerseits gut finden, wenn man weiß, wie viele Kundenbeschwerden durch das zum Teil planlose Zustellgebaren von DPD so produziert werden können. Auf der anderen Seite bleibt man als Verkäufer natürlich derjenige, der die Zustellungsprobleme finanziell ausbaden muss.

So würde also vermutlich, jedes Mal wenn das 1- Tages- Versprechen nicht eingehalten wird, auf meine Kosten munter erstattet werden, ohne dass man selbst auf die Probleme irgendeinen Einfluss nehmen könnte (z.B. durch Wahl eines anderen Versanddienstleisters).

„Prime durch Verkäufer“ bringt mir also nicht Autonomie und Preisvorteile zusätzlich zu dem Prime- Logo sondern genau die Nachteile, die viele Verkäufer am FBA- Programm beklagen: nämlich hohe Preise und keine Möglichkeit, auf die Versandprozesse Einfluss zu nehmen und keine Hoheit über die eigenen Finanzen.

Fazit zu „Prime durch Verkäufer“

Ich persönlich habe mich daher gegen „Prime durch Verkäufer“ entschieden und lasse Amazon zumindest die gut laufenden Übergröße- Artikel weiter versenden.

Je nach Sortiment, Fehleranfälligkeit und genauer Verpackungsgröße sowie den Volumina, die man versenden will sowie dem Kontakt zum örtlichen DPD- Depot, kann das für andere Verkäufer natürlich auch anders aussehen.

Schreibt mir gerne in die Kommentare, wenn ihr andere Erfahrungen mit Prime durch Verkäufer gemacht habt.

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Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

2 Gedanken zu „Lohnt sich Amazon Prime durch Verkäufer“
  1. Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe auch Prime durch Verkäufer mehrere Monate getestet. Vorher mit DHL verschickt hat gut geklappt. Dann musste ich mit DPD verschicken, das war eine Katastrophe! Pakete kamen oft nicht an, waren beschädigt oder die Zusteller haben die Empfänger nicht gefunden, obwohl Adresse 100% korrekt war. Viele Rücksendung wegen angeblich falscher Adresse. Und dann weigerten sich die Abholer in die 2. Etage zu laufen um meine Pakete abzuholen, weil es keinen Fahrstuhl bei uns gibt. Ich sollte also tatsächlich die Pakete nach unten bringen, damit die beiden nicht die Treppe benutzen mussten. Ich habe Prime gekündigt und verzichte seit dem auf diesen Stress.

    1. Der Hauptgrund, warum Verkäufer sich auf DPD einlassen, ist ja der deutlich geringere Preis, den man bei DPD bekommen kann (im Vergleich zu DHL). Da man bei Prime durch Verkäufer aber zu den Konditionen von Amazon mit DPD verschickt und diese deutlich teurer sind als was man z.B. über Reseller bezahlen würde, macht das ganze Projekt überhaupt keinen Sinn.

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