Urheberrecht bei ebay ist ein Dauerbrenner- Thema. Gerade hier scheinen es viele nicht so genau zu nehmen mit den Rechten anderer und man bedient sich relativ dreist bei den Bildern anderer Händler. Wie ihr euch gegen Bilderklau und Urheberrechtsverletzungen zur Wehr setzen könnt, erkläre ich in diesem Artikel.

Viele Amazon- Händler kennen das Phänomen: Man stöbert bei Ebay und stolpert da plötzlich über die eigenen Angebote, die man bei Amazon gelistet hat – nur zu deutlich höheren Preisen. Bilder geklaut, Artikelbeschreibung geklaut, Verkäufer sitzt im Ausland (oft in Spanien) und die vorgeschriebenenen Rechtstexte fehlen oder sind lückenhaft. Oft haben diese Angebote nicht mal ein korrektes Impressum (wie auch immer diese „Verkäufer“ es schaffen, ein Angebot bei Ebay einzustellen, ohne ein Impressum anzugeben…).

Wenn man seinen eigenen Artikel bei einem dieser Ebay- Händler kauft, erhält man kurze Zeit später eine Benachrichtigung über einen verkauften Artikel bei Amazon. Was diese Händler also machen, ist ganz einfaches Dropshipping. Sie bieten einen Artikel an, den sie selbst gar nicht vorrätig haben und bestellen ihn dann bei euch, wenn bei ihnen eine Bestellung eingeht.

Gegen Dropshipping als zusätzlichem Vertriebsweg hätte ich auch gar nichts einzuwenden, wenn ich denn vorher gefragt werden würde. Ohne mich als Lieferanten vorher zu fragen, ob meine Fotos und meine Artikelbeschreibung benutzt werden dürfen, lässt die Geschäftsbeziehung erst einmal mit einer Urheberrechtsverletzung beginnen. Keine so guten Voraussetzungen für eine gedeihliche Partnerschaft.

Zum anderen sind die Angebote, wie schon oben erwähnt, in der Regel voll von rechtlichen Fehlern; beginnend beim fehlenden Impressum, über widersprüchliche Angaben zum Widerrufsrecht bis hin zu fehlendem oder mangelhaften Kundensupport. Das ist natürlich ein Umfeld, in dem ich ungerne Produkte meiner eigenen Marke gehandelt sehe.

Urheberrecht bei ebay – Was tun gegen Bilderklau im Internet?

Man hat als betroffener Händler vor allem einen Hebel, um dem Spuk ein Ende zu setzen und das ist das Urheberrecht an dem Produktbild – wenn man denn selbst gemacht hat und nicht selbst von einem Großhändler übernommen hat.

Natürlich kann auch ein Urheberrecht an der Produktbeschreibung bestehen, doch hier winken Gerichte wegen dem fehlenden besonderen Charakter einer simplen Beschreibung oft ab.

Seit Ebay Dropshipping auf seinen Marktplätzen erlaubt hat, handelt es sich auch nicht mehr um einen Verstoß gegen das früher geltende Gebot, dass man Artikel, die man anbietet auch vorrätig haben muss.

Auch das Markenrecht hilft nur bedingt, selbst wenn es sich um ein Produkt einer geschützten Marke handelt, denn der Dropshipper kauft das Produkt ja bei einem selbst ein, um es an seine Kunden zu liefern. Das heißt, dass er keine Plagiate verkauft. Natürlich könnte man einen Testkauf durchführen und kurz davor das eigene Amazon- Angebot vorübergehend abschalten. Wenn der Verkäufer dann einfach ein anderes, ähnliches Produkt bei einem anderen Händler einkauft, dann wäre es natürlich ein markenrechtlicher Verstoß.

Das Problem bleibt am Ende ein ganz pragmatisches: Die Dropshipper sitzen alle  nicht in Deutschland; viele derzeit zwar in Spanien und damit immerhin in einem EU- Land, doch selbst hier ist der rechtliche Durchgriff ziemlich schwer. Gänzlich aussichtslos ist es natürlich bei Händlern aus China oder anderen Non- EU- Ländern.

VeRI- Programm bei Ebay

Bei Ebay gibt es zwei Möglichkeiten, auf solche Angebote zu reagieren. Die erste, höfliche Möglichkeit, ist den Anbieter zu dem Produkt anzuschreiben, ihn höflich aber bestimmt auf seine Rechtsverletzung aufmerksam zu machen und aufzufordern, dass Angebot unverzüglich zu beenden. Das habe ich eine ganze Weile so gemacht und für eine Weile verschwinden die Angebote dann auch und nach ein paar Wochen sind sie alle wieder da (möglicherweise auf einem anderen Account).

Einige Verkäufer erkennen auch gar das Unrecht in ihrem Handeln und sind ganz erstaunt oder gar erbost, dass man diesen Win/Win- Deal nicht begreift, wie in folgendem Screenshot zu sehen:

Urheberrecht bei ebay - Bilderklau
Antwort eines Rechtsverletzers auf meinen Hinweis, er möge meine Bilder von seinen Angeboten entfernen

Weil mir das inzwischen einfach zu viel Zeit kostet, nutze ich jetzt das „Verifizierte Rechteinhaber- Programm“ von Ebay. Dort muss man sich einmal registrieren und an Eides Statt versichern, dass man Inhaber der Urheberrechte an dem Bild ist. Fortan kann man über einen neu angelegten Ebay- Account, den man nicht zum Verkaufen verwenden darf, über eine einfache Schaltfläche unter jedem Angebot auf Ebay Urheberrechtsverstöße melden. Die betreffenden Angebote werden dann in der Regel innerhalb von 24 Stunden von Ebay gelöscht und man bekommt die bei Ebay hinterlegten Kontaktdaten des Account- Inhabers. Wie das VeRi- Programm von ebay im Detail funktioniert, habe ich in einem ausführlichen Artikel beschrieben (Urheberrecht bei ebay – Das VeRi Programm).

Handelt es sich um einen Händler mit einer deutschen Adresse (was allerdings nur in seltenen Ausnahmefällen der Fall ist), könnt ihr eure Rechte z.B. an die Firma Anticopy GmbH abtreten, die euch pro Bild 20 Euro zahlen und die Angelegenheit dann auf ihr eigenes Risiko weiter verfolgen.

Wenn ihr die Sache selbst rechtlich über einen Anwalt weiter verfolgt, ist auch deutlich mehr Schadensersatz drin; insbesondere wenn ihr ein professionell erstelltes Produktbild verwendet und der Rechtsverletzer gewerblich gehandelt hat.

Bilderklau und Urheberrecht bei Ebay – Fazit

Die Überwachung der eigenen Schutzrechte ist zeitraubend und nervig, aber leider erforderlich. Mit dem Veri- Tool von ebay geht jedenfalls die Meldung von Rechtsverletzungen relativ schnell.

Alles rund um Ebay und Amazon könnt ihr in meinem Buch „Erfolgreich verkaufen auf Ebay, Amazon & Co“ nachlesen, das ich jedem Einsteiger gerne ans Herz legen möchte. Das Buch ist ein umfassender Ratgeber nicht nur für den Verkauf auf Amazon sondern für den Einstieg ins Online- Business. Von Gewerbeanmeldung, Förderungsmöglichkeiten und Steuerfragen über Wareneinkauf, Verpackungs-, Versand- und Payment- Lösungen bis hin zu Marketing, Suchmaschinenoptimierung und abgerundet mit jeder Menge rechtlicher Tipps zu Verbraucherschutz, Handels- und Markenrecht ist dies der ultimative Reader für Einsteiger und Fortgeschrittene in der Welt von Ebay & Amazon.

Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

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