Amazon FBA Einstieg

In einer kleinen Artikelreihe werde ich euch eine Schritt für Schritt- Anleitung für euren Einstieg in das Amazon FBA- Business an die Hand geben. In diesem Artikel geht es um die Dinge, die ihr erledigen müsst, bevor ihr mit dem Verkaufen bei Amazon und der Nutzung des Fulfillment by Amazon (FBA) beginnen könnt.

Was ist Amazon FBA?

Amazon ist der größte Online- Versandhändler weltweit. Auf den 15 Marktplätzen von Amazon verkauft nicht nur Amazon selbst sondern vor allem auch Millionen kleiner, mittlerer und auch sehr großer externer Händler, die für ihre Verkaufstätigkeit Gebühren an Amazon zahlen. Amazon bietet den Verkäufern dazu eine eigene Logistik an, das so genannte Fulfillment by Amazon (FBA). Die Verkäufer senden dazu einfach ihre Ware an Amazon und der Onlineriese kümmert sich um den Rest: Lagerung, Logistik, Versand und sogar den Kundenservice.

Dabei ist das Angebot von Amazon teilweise sogar günstiger, als wenn man den Versand und die Logistik selbst organisieren würde. Das Modell erfordert praktisch keine Anwesenheit vom Verkäufer mehr. Die Prozesse der Warenanlieferung kann man über Dienstleister steuern und ab dort kümmert sich Amazon um den Rest. Ein solches Business kann man praktisch also von überall auf der Welt aufsetzen. Wie ihr dabei exakt vorgehen müsst, ist Gegenstand dieser Artikelreihe.

Amazon FBA weltweit  – ein paar Zahlen

Amazon hat ein weltumspannendes Netz von Marktplatzen aufgesetzt, auf denen insgesamt über drei Millionen Verkäufer ihre Waren anbieten. Auf den deutschen Marktplatz entfielen 2018 davon rund 244.000 Seller, die 586 Millionen Produkte gelistet haben – die Zahl der Verkäufer auf  amazon.de stieg damit gegenüber dem Vorjahr um satte 17,5%. Dennoch ist diese Wachstumsrate im weltweiten Vergleich die zweitniedrigste (nach den USA). Auf allen anderen Marktplätzen liegt das Wachstum bei der Zahl der Händler im Schnitt fast doppelt so hoch. Weltweit sind die Verkäufer auf den 15 Amazon- Marktplätzen für rund 58% des Gesamtumsatzes verantwortlich.

Diese Zahlen werden noch beeindruckender, wenn man bedenkt, wie viel Fluktuation auf den Marktplätzen herrscht, denn in den USA stieg die Zahl der Händler zwar „nur“ um 5,1% an, doch wurden in absoluten Zahlen fast 250.000 neue Händeraccounts eröffnet, was einem Vierteil der Gesamtzahl an Verkäufern in den USA entspricht. Das bedeutet, dass ungefähr 200.000 Händler im gleichen Zeitraum ausgeschieden oder gesperrt worden sind. An diesen Zahlen könnt ihr schon ablesen, dass es für euch nicht einfach werden wird, euch als Neulinge in dem Haifischbecken Amazon Marktplatz zu behaupten. Entsprechend solltet ihr gut vorbereitet sein auf euren Einstieg in den Onlineversandhandel mit Amazon FBA.

Amazon FBA Einstieg – Gewerbe und Steuern

Um auf Amazon gewerblich verkaufen zu können, müsst ihr als Allererstes ein Gewerbe haben. Wenn ihr also noch keines angemeldet habt, geht der erste Weg ins Gewerbeamt eurer Gemeinde. Hier beantragt ihr den Gewerbeschein. Hier erfahrt ihr alles Wichtige zur Gewerbeanmeldung.

Der nächste Schritt läuft dann automatisch ab, denn das Gewerbeamt informiert euer zuständiges Finanzamt und dieses schickt euch wiederum den so genannten steuerlichen Erfassungsbogen. Diesen füllt ihr aus und schickt ihn ans Finanzamt zurück. Auf diesem Fragebogen gibt es auch ein Kästchen, das ihr ankreuzen müsst, wenn ihr eine Umsatzsteuer Identifikationsnummer (VAT ID) zugeteilt haben möchtet.

Beachtet dabei, dass ihr diese nicht beantragen könnt, wenn ihr von der so genannten Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen wollt. Nach dieser Regelung müsst ihr keine Umsatzsteuer auf eure Verkaufserlöse bezahlen, könnt im Gegenzug aber auch keinen Vorsteuerabzug für eure Einkäufe geltend machen. Ohne steuerlich allzu sehr ins Detail gehen zu wollen, wird sich die Kleinunternehmerregelung für euch in den meisten Fällen nicht lohnen, da ihr gerade am Anfang eine Reihe von Investitionen in den Warenbestand und die Arbeitsmittel tätigen müsst. Außerdem gilt die Regelung nur für Kleinunternehmer mit einem Jahresumsatz unter 22.000 Euro im vorigen und unter 50.000 Euro im laufenden Jahr. Die Schwelle für das Vorjahr wurde 2020 erhöht. Wenn ihr gut durchstartet und eure Produkte vielleicht auch noch auf anderen Marktplätzen anbietet, werdet ihr diese Umsatzschwellen sehr wahrscheinlich ohnehin reißen.

Ihr solltet die VAT ID also schon im steuerlichen Erfassungsbogen beantragen, könnt dies aber sonst auch noch auf den Seiten des BZSt nachholen. Euer Finanzamt wird euch zeitnah eure Steuernummer mitteilen. Die VAT ID wird euch dann vom Bundeszentralamt für Steuern bekannt gegeben.

Neben dem Finanzamt werdet ihr auch mit dem Zoll in Kontakt kommen – jedenfalls dann, wenn ihr Ware aus dem außereuropäischen Ausland nach Deutschland importiert. Hierfür müsst ihr eine so genannte EORI- Nummer (Economic Operators’ Registration and Identification) bei der Generalzolldirektion Dresden – Stammdatenmanagement beantragen. Die EORI Nummer erleichtert die automatisierte Erfassung von Beteiligten an Außenwirtschaftlichen Prozessen. Der Antrag kann seit 2019 auch online auf der Website des Zolls gestellt werden.

Für den Antrag ist die Umsatzsteuer Identifikationsnummer erforderlich, weshalb ihr die Zuteilung eurer VAT ID abwarten solltet, bevor ihr die EORI- Nummer beantragt. Man kann die VAT ID zwar auch nachreichen, doch führt das nur zur Verzögerung des Antrags. Ihr solltet deshalb warten, bis ihr die Unterlagen zusammen habt.

Schließlich solltet ihr euch noch ein Geschäftskonto zulegen, um eure privaten Ausgaben von den Geschäftsausgaben zu trennen. Theoretisch könntet ihr das auch auf einem separaten Girokonto machen, doch sind die Banken deutlich strenger bei der Einhaltung ihrer AGB geworden und drohen euch mit der Schließung eures Kontos, wenn sie dort geschäftliche Tätigkeiten vermuten.

Besser gleich eines der kostenlosen Geschäftskonten aus meinem Übersicht abschließen und auf der sicheren Seite sein.

Amazon FBA Einstieg – Produkt- und Händlerrecherche

Behörden- und Steuerangelegenheiten sind nicht jedermanns Sache und so werden viele von euch vielleicht ganz froh sein, wenn sie sich neben den bürokratischen Anforderungen auch schon mit verkaufsnahen Tätigkeiten beschäftigen können. Im Grunde genommen ist die Recherche nach aussichtsreichen Produkten zeitlich sogar noch vor der Gewerbeanmeldung anzusiedeln. Vom Moment an, in dem ihr die Entscheidung fällt, ein Online- Business mit Amazon FBA zu starten, solltet ihr ein Auge auf Trends und gut laufende Produkte haben.

Dabei solltet ihr die 10 Anforderungen an das perfekte Amazon- Produkt immer im Blick behalten und die Tipps aus meinem Tutorial Produktrecherche beherzigen und Recherche- Tools für die Produktsuche verwenden, um die Ergebnisse objektivierbarer zu machen.

Habt ihr ein Produkt, das den formalen Anforderungen entspricht und eine aussichtsreiche Platzierung möglich erscheinen lässt, müsst ihr nun noch einen Hersteller finden, der euch dieses Produkt in zuverlässiger Qualität zu einem konkurrenzfähigen Preis liefert. Wie ihr bei der Händlerrecherche vorgehen solltet, habe ich in diesem Artikel beschrieben: Warenimport – Händler- und Preisrecherche.

Auf vielen Gründer- Blogs wird empfohlen, die Ware ohne Einschaltung einer Agentur direkt auf Alibaba zu kaufen. Das kann man machen und das kann auch mal gutgehen, doch ist dies der entscheidende Punkt, mit dem euer ganzes Business steht und fällt. Bekommt ihr minderwertige Ware geliefert, die ihr kaum verkaufen könnt oder die eine fürchterliche Retourenquote hat, dann kann euer Traum vom eigenen Online- Business schneller vorbei sein, als euch lieb sein kann. Deshalb würde ich an diesem Punkt immer dazu raten, auf Nummer Sicher zu gehen und Profis mit dem Import zu beauftragen.

Natürlich kommt das auch ein bisschen auf die Preisklasse an, in der ihr euch bewegen wollt. Eine Warenlieferung mit Schlüsselanhängern für 500 Euro kann man im Zweifel auch einfach mal abschreiben, aber mit Schlüsselanhängern verdient ihr sehr wahrscheinlich auch kein Geld. Gemäß den oben genannten 10 Anforderungen an das perfekte Produkt sollte der Verkaufspreis irgendwo zwischen 20 und 50 Euro liegen und euer Einkaufspreis nicht mehr als 25% davon betragen. Mal eine Mindestabnahme von 1000 Stück vorausgesetzt, wird sich das Handelsvolumen für euren ersten Deal also auf 5000 bis etwa 12.500 Euro belaufen. Da möchte man vermutlich schon einigermaßen sicher sein, dass das sauber über die Bühne geht.

Wem das Volumen für einen ersten Einkauf zu groß ist, der kann natürlich auch kleinere Mengen auf Alibaba ordern, um erst mal einen Testlauf zu starten. Doch erstens haben Hersteller in der Regel nur ein begrenztes Interesse an Kleinstbestellungen und ihr werdet bei Mengen von ein paar Hundert Stück kaum gewünschte Spezifikationen des Produkts bekommen sondern werdet dann von der Stange beliefert.

WICHTIG: Ihr dürft natürlich noch keine Aufträge vergeben, solange die o.g. bürokratischen Erfordernisse nicht erledigt sind. Natürlich könnt ihr recherchieren und Preise anfragen, aber einen Auftrag solltet ihr erst erteilen, wenn ihr die entsprechenden Steuer- und EORI- Nummern habt.

Amazon FBA Einstieg – Fazit

Insbesondere mit der Recherche legt ihr die Grundlage für den Erfolg eures Online- Business bei Amazon. Der Amazon FBA Einstieg steht und fällt mit dem Produkt und dessen Qualität. Deshalb ist es wichtig, dass ihr diese ersten Schritte sehr sorgfältig macht.

Alles rund um Ebay und Amazon könnt ihr in meinem Buch „Erfolgreich verkaufen auf Ebay, Amazon & Co“ nachlesen, das ich jedem Einsteiger gerne ans Herz legen möchte. Das Buch ist ein umfassender Ratgeber nicht nur für den Verkauf auf Amazon sondern für den Einstieg ins Online- Business. Von Gewerbeanmeldung, Förderungsmöglichkeiten und Steuerfragen über Wareneinkauf, Verpackungs-, Versand- und Payment- Lösungen bis hin zu Marketing, Suchmaschinenoptimierung und abgerundet mit jeder Menge rechtlicher Tipps zu Verbraucherschutz, Handels- und Markenrecht ist dies der ultimative Reader für Einsteiger und Fortgeschrittene in der Welt von Ebay & Amazon.

Von Kai

Kai war zehn Jahre in der Arbeitsrechts- Beratung einer Gewerkschaft tätig, bevor er sich 2011 als Online- Versandhändler selbstständig gemacht hat. Auf Sellercamp teilt er seine Erfahrungen mit ebay, Amazon & Co.

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